Die Mehrheit der Internetreisenden weiß was SEO bedeutet, trotzdem erlaube ich mir hier verschämt folgenden erläuternden Hinweis. Bei SEO handelt es sich weder um die medizinische Bezeichnung einer chronischen Übersensibilisierung auf bestimmte Umweltreize noch um eine besonders krasse Form der Selbstüberschätzung. Obwohl ich mir im letzten Fall nicht wirklich sicher bin.
Zum Stichwort SEO referenziert Google Deutschland 7.860.000 Seiten (April), international sind es zur Zeit sogar 258 Millionen Seiten. Das Suchaufkommen für das exakte Keyword ‘seo’ lag im März dagegen bei etwa läppischen 70.000 Suchanfragen. Nach ‘Suchmaschinenoptimierung’ wurde gerade 18.000 mal gesucht.
Dieser dramatische Überhang an Seiten zum Thema wundert mich eigentlich nicht. Wenn ich mir Seiten von sogenannten ‘SEO-Experten’ ansehe, wird schnell klar, dass viele nur irgendwo aufgeschnappte Informationen weitergeben ohne wirklich ‘im Thema’ zu sein und über eigene Erkenntnisse zu verfügen. Das ist auch verständlich, denn die Wieder- und Weitergabe solcher Inhalte erfordert oft nicht einmal die Mühe, eigene Formulierungen zu finden. Und so kommt es vor, dass manche SEO-Seite inzwischen mangels Besucherzahlen verwahrlost ist oder eingestellt wurde. – Nicht gerade eine Referenz, die ich mir als ‘Experte’ wünschen würde.
Auch von einer anderen Seite betrachtet kann SEO-Optimierung sehr schnell zum Selbstzweck werden. Der Sinn einer Webseite liegt nicht in ihrer suchmaschinenfreundlichen Gestaltung, sondern in der Bereitstellung von Informationen. Diese Informationen können für den Nutzer hilfreich oder ohne irgend einen Nutzen sein. Daran kann auch die beste Suchmaschinenoptimierung nichts ändern.
Genauso verhält es sich mit der Identität, dem persönlichen Stil, der Webseite. Dies ist etwa beim Betreiben eines Blogs von wirklicher Bedeutung. Kommen diese beiden Aspekte nicht zur Geltung, ist mAn auch SEO überflüssig.
SEO ist wichtig – ohne Frage. Aber nicht jeder, der copy&paste beherrscht oder SEO von einer allergischen Hautreaktion unterscheiden kann ist gleich ein Experte in Sachen Suchmaschinenoptimierung.
Abgelegt unter '
Bloggen' 12.04.2009
Für alle Linux-Begeisterten hier noch ein Link zur PC-Welt. Die stellt quasi als Ostergeschenk die Ausgabe 2 des Linux-Sonderheftes kostenlos online. Interessante Themen wären da zum Beispiel: Profi-Tipps für Gimp, VMWare-Server und einiges mehr.
Na, dafür spendiere ich doch glatt ‘nen Link und sag’ Danke!
Frohe Ostern!
Abgelegt unter '
Linux' 11.04.2009
Wie Google die Relevanz von Webseiten tatsächlich ermittelt, ist wahrscheinlich eines der bestgehütetsten Geheimnisse der Internetbranche. Jeder der sich mit SEO beschäftigt, hat aber eine mehr oder weniger konkrete Vorstellung davon, wie der Suchalgorithmus funktionieren könnte und welche Faktoren bei der Beurteilung einer Webseite zum Tragen kommen.
Ganz offensichtlich scheint Google aber bestimmte Faktoren mit unterschiedlicher Gewichtung für die Beurteilung von Webseiten heranzuziehen. Klassische Ranking-Faktoren sind etwa die Ankertexte in externen Links, die On-Page optimierte Keywordnutzung und der Linkjuice, die PR-Verebung.
Einen interessanten Beitrag zu diesem Thema fand ich bei Rand Fishkin von SEOmoz. Dieser sieht einen deutlichen Rückgang in der Gewichtung klassischer Faktoren zugunsten der zunehmenden Bedeutung der Vertrauenswürdigkeit der Hosting Domain. Sehr deutlich wird dieser Zusammenhang auch durch seine grafische Darstellung der Auswirkungen der einzelnen Faktoren für den Zeitraum der letzten Jahre.
Mit ihrer Kampagne ‘ProKlimaStrom’ möchte die RWE ihrer Kundschaft dieses Angebot als besonders günstig, umweltverträglich und klimafreundlich verkaufen. Nach eigenen Angaben wird dieser Strom aus ‘regenerativen Energien und Kernkraft’ gewonnen.
Dieser ‘Klimastrom’ besteht allerdings zu zwei Dritteln aus Atomstrom. Dass Atomstrom gefährlich, dreckig und und in Wahrheit irre teuer ist, findet selbstverständlich in einer solchen Kampagne keinerlei Erwähnung. Warum auch, mag sich die RWE denken, dafür gibt’s schließlich Umweltorganisationen, Bürgernetzwerke und andere lästige Zeitgenossen.
Durchaus zuständig für die Aufklärung wären da z.B. urgewald.de und ausgestrahlt.de. In einer Satire auf die lächerliche Werbekampagne machen Umweltorganisation und Bürgernetzwerk auf die von der RWE verschwiegenen Fakten aufmerksam.
Die Werbeagentur Jung von Matt will die Satire von urgewald.de und ausgestrahlt.de verbieten.
Hintergrund ist ein von RWE geplanter Bau eines Kernkraftwerkes in Belene/Bulgarien. Dieser Ort liegt in einer Region mit hohem Erdbebenrisiko. Das seit langem von RWE geplante Projekt ist in weiten Kreisen sehr umstritten. Ganz offensichtlich scheinen aber die niedrigen Sicherheitsstandards für RWE ausschlaggebend, trotz vieler Proteste an dem geplanten Vorhaben so beharrlich festzuhalten. Zuletzt hatte die erste demokratisch gewählte bulgarische Regierung die Proteste und Einwände ernst genommen und das Projekt wegen der Sicherheitsrisiken gestoppt. Der ehemalige Leiter der bulgarischen Atomaufsicht warnte vor den Risken dieses Vorhabens. Die neue Regierung setzte 2005 diese und weitere Projekte gegen alle Sicherheitsbedenken fort. Umweltaktivisten wurden in der Folge behindert und mit Morddrohungen konfrontiert.
Aufklärung ist also angebracht. Dies wäre auch für die RWE verpflichtend.
Stattdessen beauftragt diese das hamburger Werbeunternehmen Jung von Matt, dass sich schon mit der Gestaltung der neoliberalen Neu-Denk-Kampagne ‘Du Bist Deutschland’ beliebt machen konnte und auch sonst mit Artdirectors-Club-gekürter Kreativität Unternehmen wie die BILD-Zeitung, Mercedes Benz und andere ins rechte Licht zu setzen versteht.
Jung von Matt droht nun mit gerichtlichen Schritten gegen die Anti-Atomkraft Kampagne wegen der angeblichen urheberrechtswidrigen Verwendung eines Bildmotives.
Mal abgesehen davon, dass mAn Urheberrechtsansprüche vor einem berechtigten öffentlichen und allgemeinen Sicherheitsinteresse zurückzutreten haben, ist diese Abmahnung lächerlich. Ich sehe in den Werken der Werbeagentur und der Satire der Atomkraft-Gegner zwei völlig verschiedene Schöpfungen.
Öffentlich Kritik zu üben ist der Grundgedanke des Rechts auf Freie
Meinungsäußerung. Dies gilt auch für Umweltschutzorganisationen und
Bürgerrechtsbewegungen deren Aufgabe längst von der Öffentlichkeit
anerkannt wird.
Immer wieder versuchen dubiose Internetportale den Mitgliedern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Teilweise unter freimütiger Auslegung der für Anbieter von Online-Diensten gesetzlich vorgeschriebenen Informationspflichten. Allein die Schlagzeilen der letzten Tage zeigen, wie skrupellos und in welchem Umfang Verbraucherschutz dabei umgangen wird. (weiterlesen…)