Atomstrom: Ich brauch' ihn nicht, Du brauchst ihn nicht!

Mit ihrer Kampagne ‘ProKlimaStrom’ möchte die RWE ihrer Kundschaft dieses Angebot als besonders günstig, umweltverträglich und klimafreundlich verkaufen. Nach eigenen Angaben wird dieser Strom aus ‘regenerativen Energien und Kernkraft’ gewonnen.

Dieser ‘Klimastrom’ besteht allerdings zu zwei Dritteln aus Atomstrom. Dass Atomstrom gefährlich, dreckig und und in Wahrheit irre teuer ist, findet selbstverständlich in einer solchen Kampagne keinerlei Erwähnung. Warum auch, mag sich die RWE denken, dafür gibt’s schließlich Umweltorganisationen, Bürgernetzwerke und andere lästige Zeitgenossen.

Durchaus zuständig für die Aufklärung wären da z.B. urgewald.de und ausgestrahlt.de. In einer Satire auf die lächerliche Werbekampagne machen Umweltorganisation und Bürgernetzwerk auf die von der RWE verschwiegenen Fakten aufmerksam.

RWE will Satire verbieten


Die Werbeagentur Jung von Matt will die Satire von urgewald.de und ausgestrahlt.de verbieten.

Hintergrund ist ein von RWE geplanter Bau eines Kernkraftwerkes in Belene/Bulgarien. Dieser Ort liegt in einer Region mit hohem Erdbebenrisiko. Das seit langem von RWE geplante Projekt ist in weiten Kreisen sehr umstritten. Ganz offensichtlich scheinen aber die niedrigen Sicherheitsstandards für RWE ausschlaggebend, trotz vieler Proteste an dem geplanten Vorhaben so beharrlich festzuhalten. Zuletzt hatte die erste demokratisch gewählte bulgarische Regierung die Proteste und Einwände ernst genommen und das Projekt wegen der Sicherheitsrisiken gestoppt. Der ehemalige Leiter der bulgarischen Atomaufsicht warnte vor den Risken dieses Vorhabens. Die neue Regierung setzte 2005 diese und weitere Projekte gegen alle Sicherheitsbedenken fort. Umweltaktivisten wurden in der Folge behindert und mit Morddrohungen konfrontiert.

Aufklärung ist also angebracht. Dies wäre auch für die RWE verpflichtend.

Stattdessen beauftragt diese das hamburger Werbeunternehmen Jung von Matt, dass sich schon mit der Gestaltung der neoliberalen Neu-Denk-Kampagne ‘Du Bist Deutschland’ beliebt machen konnte und auch sonst mit Artdirectors-Club-gekürter Kreativität Unternehmen wie die BILD-Zeitung, Mercedes Benz und andere ins rechte Licht zu setzen versteht.

Jung von Matt droht nun mit gerichtlichen Schritten gegen die Anti-Atomkraft Kampagne wegen der angeblichen urheberrechtswidrigen Verwendung eines Bildmotives.

Mal abgesehen davon, dass mAn Urheberrechtsansprüche vor einem berechtigten öffentlichen und allgemeinen Sicherheitsinteresse zurückzutreten haben, ist diese Abmahnung lächerlich.  Ich sehe in den Werken der Werbeagentur und der Satire der Atomkraft-Gegner zwei völlig verschiedene Schöpfungen.

Öffentlich Kritik zu üben ist der Grundgedanke des Rechts auf Freie
Meinungsäußerung. Dies gilt auch für Umweltschutzorganisationen und
Bürgerrechtsbewegungen deren Aufgabe längst von der Öffentlichkeit
anerkannt wird.

Brot und Spiele

Selbst als bekennender Gegner von ‘Killerspielen’ und nur gelegentlicher Computerzocker hat man es mitunter nicht leicht. Das Stigma einer latenten Neigung zur Realitätsflucht umgibt einen Computerspieler ständig. Die besorgten Blicke aus den Augen durchaus wohlwollender Mitmenschen und der mässige aber regelmässige bedauernde Hinweis, dass das Leben so viel mehr zu bieten habe als ein 22-Zoll Widescreen-Monitor, sind da noch harmlos. (weiterlesen…)