BBCI: Flippern mit Gedankenkraft – Spielen für die Wissenschaft

05.06.2009 | kh | Kategorie: Wissenschaft

Einem Forschungsteam um Prof. Dr. Klaus-Robert Müller von der Technischen Universität Berlin im Fachgebiet Maschinelles Lernen ist ein Experiment gelungen, bei dem Probanden über eine Schnittstelle zwischen Computer und Gehirn einen Flipperautomaten in Echtzeit steuern. Dabei brauchen die Versuchspersonen sich die erforderlichen Handbewegungen lediglich vorzustellen.
Ähnliche Versuche wurden schon oft angestellt: Elektroden leiten die elektrischen Signale von bestimmten Stellen auf der Kopfhaut ab. Die verschiedenen Bereiche der Kopfoberfläche entsprechen jeweils gewissen Bereichen des Gehirns, die bei geistiger Aktivität unterschiedlich starke Signale abgeben.  Auf eine interessante Möglichkeiten der Nutzung der elektrischen Hirntätigkeit hatte ich vor kurzem in einem Artikel über die Uraufführung des Brainorchestra ja bereits hingewiesen.

Das Besondere an dem aktuellen Experiment der TU-ForscherInnen ist die Geschwindigkeit, mit der ihr Brain-Computer-Interface-System die eingehenden Signale auswerten kann. Durch hochentwickelte Verfahren des Maschinellen Lernens werden die EEG-Signale dabei mit hoher Geschwindigkeit in Steuersignale für nachgeschaltete technische Geräte umgewandelt. Das Experiment mit dem Flipper-Automaten demonstriert die extrem kurzen Reaktionszeiten, die mit diesem Interface bereits möglich sind. Das Experiment stellt in diesem Bereich der Signalverarbeitung und des maschinellen Lernens einen Durchbruch dar.

Für Schnittstellen, die nahezu in Echtzeit die Nutzerabsichten erkennen und umsetzen können, sind sicherlich umfangreiche Verwendungsmöglichkeiten denkbar. Für Menschen mit Lähmungen oder anderen Bewegungseinschränkungen wäre es wahrscheinlich eine große Hilfe, könnten sie Geräte nur mit Hilfe ihrer Gedanken steuern und bedienen.

Auf jeden Fall eine viel versprechende, spannende Entwicklung. Neugierig auf mehr? Dann besuchen Sie doch die ‘Lange Nacht der Wissenschaften’. Die findet am 13. Juni, auf dem Campus der TU in Berlin-Charlottenburg statt. Dort können Sie auch das Flipper-Experiment bestaunen und an weiteren BCI-Experimenten selbst teilnehmen.

(via: TU-Berlin)

Ähnliche Artikel

Kommentar schreiben

Kommentar

Das ist ganz phantastisch – die Gedankenkraft wissenschaftlich zu beweisen – und sie somit auch “Unglaeubigen ” zugänglich zu machen, handgreiflich fast, als Tatsache vorrätig. Somit- das ist dann der 2- Schritt- diese GANZ BEWUßT auch zu nutzen, so wie man auch ein Auto steuert- ganz bewujßt in bestimmter Richtung lenken + WISSEN, daß das WIRKT !!!-Ina Atmakuri, Neuenteich 88 ,Wpt

Ja, das ist schon interessant. Obwohl es ja ganz alltäglich ist, dass wir mit unseren Vorstellungen auf Materie Einfluss nehmen. Denn nichts anderes ist es ja, wenn ich zum Beispiel meinen Arm bewegen möchte und es dann tue. Das geschieht über die Schnittstelle zwischen meinen Gedanken, oder wenn man will, meinem Geist und der Außenwelt, nämlich der Materie meines Bewegungsapparates. Ein anscheinend ganz ‘banaler’ Vorgang. Aus wissenschaftlicher Sicht aber wohl alles andere als banal. Immer noch wissen wir über die genauen Vorgänge dabei nicht allzu viel. In diesem Sinne teile ich Ihre Begeisterung. Vielen Dank für Ihren Kommentar.